Vom Verlieren und (sich) Wiederfinden
27. September — 20. Dezember 2026
Kunstmuseum Kanton Thurgau, Warth
Rahel Müller
bridges, 2017
Collage mit Landkarten, Textelementen, Pigmenten und Lack / Leinwand
je 24cm x 18cm
Vom 27. September bis 20. Dezember 2026 fragt die Ausstellung «Vom Verlieren und (sich) Wiederfinden», wie wir Orientierung in einer zuneh-mend unübersichtlichen Welt gewinnen. Karten werden zum Ausgangspunkt einer Reise durch äussere und innere Landschaften. Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Thurgau und Leihgaben erzählen von Erinnerung und Verdrängung, Alter und Veränderung, Flucht und Zugehörigkeit sowie von der Suche nach dem eigenen Standort.
Karten versprechen Übersicht. Sie ordnen Räume, markieren Grenzen und zeigen Wege. Gleichzeitig sind sie nie neutral: Sie lassen aus und setzen Schwerpunkte. «Vom Verlieren und (sich) Wiederfinden» nimmt das Kartieren als Bild für die Frage, wie Menschen ihren Platz in der Welt suchen, verlieren und neu bestimmen.
Parallel zur Präsentation der Ittinger Güterkarte von 1745 im Ittinger Museum kombiniert die Ausstellung Kunstwerke aus der Sammlung des Kunstmuseums Thurgau mit Leihgaben. In Michael Golz’ «Athosland» verdichtet sich eine über Jahrzehnte entwickelte Fantasiewelt zu einer eigenen Geografie. Esther Ernst durchwandert in «Berlin Umrundungen» die Ränder der Metropole; in der «Karte der Britzer Zufriedenheit» wird
eine Kleingartenanlage zum Mikrokosmos. Rahel Müller fragmentiert und verschiebt in «swinging» und «bridges» das Material von Landkarten.
Andere Arbeiten fragen danach, was aus Geschichte und Biografie verschwindet: Olivia Abächerli folgt in «Ibu Silla» den Leerstellen in der Überlieferung einer Frau aus Borneo, deren Spuren in den Tagebüchern eines Schweizer Söldners weitgehend ausgelöscht wurden. François Burlands grossformatige Karte nimmt die wenig bekannte Verflechtung der Schweiz mit Kolonialismus und Sklavenhandel in den Blick und macht sichtbar, was im nationalen Selbstbild keinen Platz fand und findet.
In Sus Zwicks dreiteiligem Langzeitprojekt «La Danse Furieuse» begegnen wir einer Gruppe von Frauen über fast zwanzig Jahre hinweg. Ihre Gespräche über das Älterwerden erzählen davon, was sich verändert, verloren geht und neu an Bedeutung gewinnt. «Refugee Republic» von Jan Rothuizen, Martijn van Tol, Dirk Jan Visser und Aart Jan van der Linden führt durch den Alltag im Flüchtlingslager Domiz im Nordirak und zeigt, wie Menschen unter Bedingungen des Verlusts neue Strukturen und Formen von Normalität schaffen. So wird die Karte weniger zum Instrument, das einen sicheren Weg vorgibt, als zu einer Einladung, den eigenen Standort immer wieder neu zu befragen.
Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung
Dienstag, 20. Oktober 2026, 18.45 Uhr: Sich in anderen finden
Gespräch mit Stephanie Karrer, Psychologin, und Miriam Edmunds, Kuratorin
Sonntag, 15. November 2026, 11.45 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung
Mit Miriam Edmunds, Kuratorin
Freitag, 27. November 2026, 14 – 16 Uhr
Samstag, 28. November 2026, 10 – 14 Uhr
Spuren des Wiederfindens: Recherche, Bewegung und Performance mit dem TanzNetzThurgau